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The Ocean: Solaris (Review)

Artist:

The Ocean

The Ocean: Solaris
Album:

Solaris

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Post- und Progressive-Rock

Label: Pelagic Records
Spieldauer: 69:31
Erschienen: 25.09.2026
Website: [Link]

Mit dem gigantomanisch-dystopischen Vorgänger „Holocene“, bei dem von der Musik über die Kompositionen bis hin zur außergewöhnlichen Gestaltung alles begeisterte und überzeugte (Unser Kollege Maier stellte dazu in seinem Fazit fest: „Wer es so konstant von Album zu Album versteht, die emotionalen Knöpfe des Hörers zu drücken und zugleich Musik im Blockbuster-Format abliefert, der ist zu Hohem berufen.“), legten THE OCEAN im Grunde ein wahres Referenzwerk vom Post Metal bis Progressive Rock vor und schienen von vornherein dieses wohl kaum noch toppen zu können – oder einen gleichwertigen Nachfolger hinterherzuschieben. Wohl darum ließen sich THE OCEAN für ihren Nachfolger „Solaris“ auch geschlagene drei Jahre Zeit, um dann mit gänzlich neuer Musikmannschaft erneut alle Höhen metallisch postrockender Musikkunst auszuloten.
Garantiert waren THE OCEAN sich dieser Herausforderung bewusst – und ihnen ist das kaum Vorstellbare gelungen. „Solaris“ setzt die thematisch extrem düstere Erfolgsgeschichte von „Holocene“ fort und vereint hierbei Band-Traditionen mit völlig neuen Einflüssen.
Darum so viel vorab: „Solaris“ ist ein weiteres Meisterwerk von THE OCEAN! Eins, das die höchsten Höhen solcher progmetallischen Ausnahmebands wie OPETH und PAIN OF SALVATION oder CRIPPLED BLACK PHOENIX erklimmt und mit den Post-Metal-Einflüssen von MOGWAI oder MONO bis hin zu den Electronics von TANGERINE DREAM vereint.


Noch dazu gibt’s eine Geschichte, die sich an dem russischen (damals noch sowjetischen) filmischen Meisterwerk sowie uneingeschränkten Klassiker „Solaris“ von Andrej Tarkowskis gleichnamigem Film aus dem Jahr 1972 orientiert und diese dystopische Science-Fiction-Verfilmung – deren Vorlage das gleichnamige Buch des polnischen Autors STANISLAW LEM bildete – mit existenziellen Betrachtungen, inspiriert von den Tagebüchern und Aufzeichnungen realer Entdecker, kombiniert. In Film und Buch wird auf beinahe philosophische Weise eine Weltuntergangsvision erschaffen, in der eine Gruppe Überlebender der gänzlich komplett zerstörten Erde ein Raumschiff besteigt und ins All Richtung Solaris flieht, um sich vor dem Untergang des 'Mutterschiffs Erde' zu retten.

So gelingt THE OCEAN ein Soundtrack für die Ewigkeit, der sich mit den Schattenseiten der Technologie des 21. Jahrhunderts und der wachsenden Besessenheit der Menschheit von künstlichen, simulierten und nach Algorithmen ablaufenden Realitäten beschäftigt, wozu der singende Gitarrist und THE OCEAN-Kopf Robin Staps feststellt: „Wir haben im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts mehrere Kommunikationsrevolutionen erlebt – aber sind wir dadurch wirklich besser im Kommunizieren geworden?
Gab es tatsächlich eine Vorwärtsbewegung, oder war die Bewegung orbital – treten wir nur auf der Stelle?
Daher symbolisiert beispielsweise der Song ‚Light Pollution‘ die Transparenz des postmodernen Zeitalters, die alles und jeden durchdringt. Alles ist ständig sichtbar, wir haben die Dunkelheit verloren, in der man sich verstecken konnte, und im grellen Licht der Kommunikation auch unsere Privatsphäre.“


Auf „Solaris“ stechen als unüberhörbare Band-Neuerungen zuerst die beiden neuen Sänger hervor. Sich hervorragend ergänzende männliche (Enrico Tiberi) und weibliche (Lane Shi - ehemals Sängerin der amerikanischen Band ELIZABETH COLOUR WHEEL, die auch unter dem Solo-Namen OTAY:ONII aktiv ist und tatsächlich ein wenig an die fantastische Sängerin Courtney Swain von BENT KNEE oder BJÖRK erinnert) Stimmen, die den umfangreichen vokalen Beiträgen vom klassischen Klargesang bis hin zu knallharten Growls ein völlig neues Leben einhauchen.


Aber auch Thorsten Quaeschning von TANGERINE DREAM verleiht „Solaris“ an den Keyboards in gewissen Momenten die typische TD-Atmosphäre, während mit den weiteren Gitarrero-Neuzugängen Emmanuel Jessua & Marco Gennaro für eine gehörige Metal-Breitseite an den Saitenfront gesorgt wird und auch hinter den Fellen mit Paul Seidel ein weiterer Neuzugang sitzt. Es verblüfft regelrecht, wie eingespielt THE OCEAN auf „Solaris“ klingen, obwohl die einzigen Bestandsgrößen noch Gitarrist/Sänger Robin Staps und Bassist Mattias Hägerstrand sind. Und wer genau hinhört wird sogar Posaune und Vibraphon auf „Polaris“ entdecken.


Jede andere Band wäre wohl an solcher Herausforderung gescheitert. Nicht aber THE OCEAN – die setzen einfach genau das fort, was sie bereits vor drei Jahren ausmachte: progressives Progmetallisches und Postrockiges samt starkem Konzept und ausgezeichnetem Sound (aus den Berliner Hansa Studios, wo schon ein Bowie seine Berlin-Trilogie mit „Heroes“, „Low“ und „Lodger“ aufnahm). Übrigens beziehen sich die Koordinaten am Anfang des Albums genau auf die des Berliner Hansa-Studios, wo sich die Band zu gemeinsamen Aufnahmen traf.

Auch bei der Gestaltung wird wiederum nicht gespart. Die CD erscheint im Mini-LP-Cover samt 6-seitigem Falt-Cover mit allen Texten auf der einen und finsteren Bildern auf der anderen Seite.


FAZIT: Trotz massiver Besetzungswechsel beim Gesang, an den Gitarren und am Schlagzeug legen THE OCEAN mit „Solaris“ (nach Motiven des gleichnamigen sowjetischen Filmklassikers von Andrej Tarkowskis und dem Roman von Stanislaw Lem) ein Album vor, dass nahtlos und schwer beeindruckend an den ebenfalls recht dystopischen Vorgänger „Holocene“ anknüpft. Auf „Solaris“ stimmt in puncto progressiven Metals und Postrocks alles, was diese beiden Stilistiken ausmacht, wobei sogar noch durch die Mitwirkung von TANGERINE DREAM-Keyboarder Thorsten Quaeschning eine gehörige Electronic-Prise der Marke TD mit in das explosive und gleichermaßen sehr organische Weltuntergangs-Album eingewoben wird.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 50x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • 52°30'11“N, 13°26'12“E
  • Departure Song
  • Light Pollution
  • Simulacra
  • Belligerence
  • Ultima Esperanza
  • Milk Of My Dreams
  • 51°28'30“S, 73°6'11“W

Besetzung:

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